Burkhart-Gymnasium
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Am 21.09.2011, dem ersten Wandertag des Schuljahres, besichtigten 28 ausgewählte Schülerinnen und Schüler der Q11 die Bayerische Staatskanzlei in München. Zwar hatten sich die meisten von uns auf einen ziemlich langweiligen Aufenthalt eingestellt, aber wir wurden sehr angenehm überrascht. Nicht nur, dass die Vorträge, die wir besuchten, kein bisschen ermüdend waren, wir wurden auch noch von Anfang an mit einer so großen Flut von Wurstsemmeln, Butterbrezen und Getränken versorgt, dass wir gar nicht alles essen und trinken konnten. Doch wurden wir nicht nur kulinarisch verwöhnt, sondern erfuhren viel Interessantes über die Aufgaben und den Aufbau der Staatskanzlei, die Zusammenarbeit mit den Fachministerien und über das Schreiben von Politikerreden. Neben den Referenten wussten auch die uns begleitenden Lehrer, Herr Vetter und Herr Röhrl, viel Wissenswertes zu den angerissenen Themen beizutragen. Nach einer kurzen Mittagspause, in der wir als Gäste in die Kantine eingeladen waren, gingen wir in einem kleinen Rundgang durchs Haus, in dem wir unter anderem den historischen Kuppelsaal bestaunen und eine kurze Rast im Ministerratssaal auf den Sitzplätzen des Bayerischen Kabinetts einlegen konnten. Danach gab es für uns noch einen weiteren Vortrag über die Öffentlichkeitsarbeit der Staatskanzlei, in der wir zum Beispiel erfuhren, dass dieses Ministerium nicht nur eine eigene Website hat, sondern auch fleißig Videos selbst produziert und sogar in Facebook aktiv ist. Alles in allem war der Ausflug ein voller Erfolg und es besteht sogar Hoffnung darauf, dass wir bald eine der bayerischen Vertretungen, Berlin oder Brüssel, besuchen können.
Michael Rötzer
Die Abiturfahrten, wie das G9 sie kannte, gibt es nicht mehr; an ihre Stelle sind fachspezifische Seminarfahrten getreten. So machten sich gegen Ende des Schuljahres das W-Seminar „Bayern und Italien" und P-Seminar „Film" unter Leitung von OSK Karl Geisenfelder und OStRin Michaela Rabien gemeinsam auf den Weg, um Spuren der gemeinsamen bayerisch-italienischen Geschichte zu finden und auf Zelluloid festzuhalten. Dabei entdeckten die Schülerinnen und Schüler der beiden Kurse, dass nicht nur viele Straßen nach, sondern auch durch Rom führen.
Der erste Tag gehörte aber noch nicht der Tiber-, sondern der Arno-Metropole. Verbindungen zwischen Florenz und München gibt es zuhauf: So der Palazzo Pitti das Vorbild für den Königsbau der Münchner Residenz. Und Auguste Ferdinande (1825-1864), eine toskanische Prinzessin, heiratete im Jahre 1844 den späteren Prinzregenten Luitpold, sodass am bayerischen Hof nicht nur Deutsch, sondern auch Italienisch gesprochen wurde.
Ziel des Kameraobjektivs wurden währenddessen Michelangelos (1475-1564) „Davide", die Grabmäler in der Medici-Kapelle mit den Allegorien von „Tag und Nacht" sowie „Morgen und Abend", die Krone der Großherzöge der Toskana, die Piazza della Signoria oder der Palazzo Vecchio. Warteschlangen und ein schlecht funktionierendes System telefonischer Voranmeldung zwangen die verantwortlichen Lehrkräfte hier wie in Rom zu improvisieren und die Städte geradezu zu erwandern, um das geplante Programm realisieren zu können. Die Notlösung erwies sich bei den Schülern geradezu als Renner, denn wie sagt schon Seneca: Nulla sine exitu via est."
In Rom angekommen, begriffen die Schüler sehr schnell, wie Properz (48-15 v. Chr.) sagen konnte: „Omnia Romae cedent miracula terrae" (Alle Wunder verblassen, werden sie mit dem römischen Lande verglichen). Aus diesem Grunde führte sie OSK Geisenfelder auf den Gianicolo, einem von vier römischen Hügeln, die nicht zu den sieben zählen, von wo aus man den besten Überblick (82m ü. NN:) über die Stadt hat. Im Jahr 1895 wurde dort ein Denkmal für Giuseppe Garibaldi, den italienischen Freiheitshelden, errichtet, flankiert von einer Vielzahl von Büsten weiter Persönlichkeiten des Risorgimento. Von Italienern, die nach Argentinien ausgewandert waren, wurde 1911 der Leuchtturm „Faro del Gianicolo" gestiftet, der in der Dunkelheit in den Nationalfarben grün, weiß und rot über der Stadt leuchtet. Den Abschluss der Wanderung bildete die schlichte Kirche Santa Maria in Cosmedin. In der Vorhalle ist die „Bocca della Verità", einer antike Tritonenmaske, die einer mittelalterlichen Sage zufolge jedem Lügner die Finger abbeißt. Alle 70 Hände sind mutig dargeboten worden und wohlbehalten nach Niederbayern zurückgekehrt.
Am Abend wurde der Petersdom in Augenschein genommen. Unter Führung von OSK Geisenfelder pilgerte man anekdotenreich zu Grabmälern ausgewählter Päpste und Staatsoberhäupter. Die Niederbayern staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass Königin Christina von Schweden (1644-1654) im Petersdom begraben liegt. Sie hatte auf ihren Thron zugunsten eines Wittelsbachers verzichtet. Interessant waren aber auch die Gräber der Stewarts. Sollte sich Schottland tatsächlich unabhängig erklären, dann ist der nächste Anwärter auf den Thron der Chef des Hauses Wittelsbach.
Der folgende Tag gehörte zunächst der körperlichen Ertüchtigung. In Ostia ging man im wahrsten Sinne des Wortes Baden. Nach anfänglichem Zögern wegen des zunächst kühlen Wetters nahm die Begeisterung der Schüler immer mehr zu, sodass die Abfahrt zuungunsten des übrigen Programms immer wieder verschoben wurde. Schließlich machte man sich aber auf den Weg nach „Cinecittà", wenn man so will, dem Hollywood Roms. Zur Zeit des italienischen Faschismus entstanden, erlebte die „Filmstadt" in den 50-er Jahren einen ersten Höhepunkt. Regisseure wie Roberto Rossellini, Vittorio de Sica, Luchino Visconti haben dazu beigetragen, den Mythos der Filmwerkstätte zu begründen. Vor allem ist die „Cinecittà" mit dem Namen Federico Fellini und seinem Film „La dolce vita" verbunden. Aber auch amerikanische Produktionen wie „Quo vadis?" oder „Ben Hur"wurden hier gedreht. Ferner wurde die „Passion Christi" unter Mel Gibson hier produziert. Hätte das Filmteam um OStRin Rabien nicht schon längst Lunte gerochen, wäre die römische Filmstadt sicherlich die Initialzündung für die Begeisterung der cineastischen Halbprofis gewesen. Am Abend gelangt es dann den Verantwortlichen die Eintrittskarten für das Colosseum, den Palatin und das Foro Romano zu ergattern.
Doch schon am nächsten Tag kam die böse Überraschung: Einlass um 13.30 Uhr! Die Verantwortlichen disponierten zum x-ten Mal um und bauten kurzentschlossen den Bogen des Konstantin ausführlicher als vorgesehen ins Programm ein. Nach dem vorgezogenen Mittagessen war es dann soweit: Die Arena konnte betreten werden. Die flavischen Kaiser luden hier zu Schauspielen ein, zu denen Tierhatzen den Auftakt gaben. Dann kämpften Gladiatoren um ihr Leben. Anschließend trennten sich die Kurse. Das Film-Seminar ging in die Stadt, um mit der Kamera Impressionen der Stadt einzufangen. Die Historiker wanderten unter der Führung von Tamara Thorak und Karl Geisenfelder über den Palatin zum Forum und wurden dort ausführlichst über das julisch-claudische Kaiserhaus unterrichtet, hatten doch Tiberius und Drusus, die Stiefsöhne des Augustus, das Gebiet zwischen Alpenkamm und Donau erobert und somit das später baierische Stammesgebiet dem römischen Reich einverleibt.
Auf der Nachhausefahrt wurde zunächst an der Veroneser Klause Halt gemacht. Der von der Etsch durchströmte Engpass liegt 18km nordwestlich von Verona. 1155 erstürmte Otto von Wittelsbach die Klause und schuf damit die Voraussetzungen für den Rückzug Friedrich Barbarossas nach Deutschland. 25 Jahre später bedankte sich der Kaiser durch die Belehnung des Wittelsbachers mit dem Herzogtum Bayern.
Den Abschluss der Reise bildete Brixen. Im Dom forderte OSK Geisenfelder seine Schüler auf, zu beschreiben, was sie sehen. Und siehe da: Das Altarbild wurde alsbald als „Aufnahme Mariens in den Himmel" erkannt. Der Stil ist barock und um dann die Elemente zu erkennen, braucht man nur hinzuschauen. „Omnium rerum principia parva sunt", hat Cicero einmal geschrieben. „Die Anfänge aller Dinge sind klein." Die verantwortlichen Lehrkräfte hoffen, mit dieser Fahrt einen Beitrag zu einem kosmopolitischen Bajuwarentum geleistet zu haben.
Karl Geisenfelder, OSK