Schüleraustausch Liceum Jedlicze - Burkhart-Gymnasium Mallersdorf-Pfaffenberg

SCHÜLERAUSTAUSCH MALLERSDORF-JEDLICZE

MALLERSDORFER GYMNASIASTEN BESUCHTEN PARTNERSCHULE IN SÜDOSTPOLEN

 

Nachdem Anfang Juni eine Schülergruppe des  Liceums Maria Konopnickiej in Jedlicze/Polen das Burkhart-Gymnasium Mallersdorf-Pfaffenberg besucht hatte, machte sich am Sonntag, den 28.09.08, eine Gruppe von 15 deutschen Schülern und Schülerinnen, in Begleitung der beiden Lehrkräfte Frau StRin Elke Streit und Herr StD Hugo Unterpaintner, auf den Weg nach Südostpolen.

Nach einem knapp 90-minütigen Flug wurde die Gruppe schon ungeduldig von ihren polnischen Austauschpartnern und der Leiterin des Austauschs auf polnischer Seite, Frau Jolanta Wiatr, am Flughafen in Krakau erwartet. Nachdem im Juni in Mallersdorf bereits zahlreiche Freundschaften zwischen den deutschen und polnischen Schülern geschlossen worden waren, fiel die Begrüßung dementsprechend herzlich aus. Nach ca. 3-stündiger Fahrt mit dem Bus kam die Gruppe am Abend in Jedlicze an und  verbrachte den Abend in den Gastfamilien.

 

Frau Wiatr hatte für die Woche wieder ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das mit einer überaus freundlichen und herzlichen  Begrüßung im Liceum durch die neue Schulleiterin, Frau Pytel, seinen Anfang nahm.

 

Im Anschluss daran wurde die Mallersdorfer Schülergruppe vom Bürgermeister von Jedlicze, Herrn Sanocki, sowie seinem Stellvertreter in der Gemeinde nicht weniger herzlich zu Kuchen und Kaffee eingeladen. Herr Sanocki gab den Schülern wichtige Informationen über Jedlicze und betonte, wie wichtig und erfreulich der Austausch und die Städtepartnerschaft mit Mallersdorf für Stadt und Landkreis seien.

 

Nach einem Gruppenfoto machten sich die Schüler wieder auf den Weg zur Schule, wo ein Schießwettbewerb in der schuleigenen Anlage stattfand. Drei Mallersdorfer Schüler/innen belegten hierbei die ersten Plätze und wurden bei der Siegerehrung von der Schulleiterin mit Pokalen ausgezeichnet.

 

Am Nachmittag stand die Besichtigung der Raffinerie in Jedlicze auf dem Programm und am Abend schloss der erste Tag mit einer von den polnischen Schülern organisierten Schuldisco.

Am Dienstag durften die Gymnasiasten das Freilichtmuseum in Sanok besuchen, in dem sie in einem 38 ha großen ethnographischen Park über die Bau-und Lebensweise der hier einstmals ansässigen Volksgruppen der Lemken, Bojken, Dolinianen sowie der westlichen und östlichen Hügellandbewohner, die hier vor allem im 19. Jahrhundert ansässig waren, informiert wurden. Der zweite Programmpunkt des Tages war der wunderschöne Solina-Stausee in den Beskiden. Dieser wurde 1968 durch die Stauung des San angelegt und hat eine Fläche von 2.200 Hektar. Mit seinen 472 Millionen Kubikmeter Volumen und einer Wassertiefe bis zu 60 Meter ist er der größte Stausee Polens. Unterhalb des Sees befindet sich ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 200 Megawatt.

 

Am Mittwoch brach die Gruppe bereits in den frühen Morgenstunden zu dem wohl  erschütterndsten Ort in Polen auf - das Konzentrationslager Ausschwitz-Birkenau. Ein polnischer Geschichtslehrer führte die Schüler durch das ehemalige Vernichtungslager und informierte in fast perfektem Deutsch umfassend über diesen Ort des Grauens, der im 2. Weltkrieg als Zentrum der Massenvernichtung von Juden und der Gegner des Nationalsozialismus diente. Hier kamen mehr als 1 Million Juden, polnische und sowjetische Kriegsgefangene, Roma, sowie auch Schriftsteller, Homosexuelle, Kriminelle oder auch Priester durch Lagerarbeit, Folter oder Vergasung ums Leben. Die Gedenkstätte, die jährlich von ca. 0,5 Millionen  Menschen besucht wird, hat bei den deutschen und polnischen Schülern und Lehrern einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

Von Ausschwitz ging es zurück nach Krakau, der Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen. Dort hatten die Schüler bei einem Stadtbummel Gelegenheit die berühmten Tuchhallen, die Marienkirche oder andere Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Krakau ist Sitz der zweitältesten Universität Mitteleuropas (gegründet 1364) und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum. Eine Vielzahl an Bauwerken der Gotik, der Renaissance, des Barock und späterer Epochen prägt das Bild der alten Stadt, die bis 1596 Hauptstadt von Polen war und noch heute als zweitgrößte Stadt Polens mit ca. 750.000 Einwohnern bei den Einheimischen als heimliche Hauptstadt gilt.

 

Am Donnerstag fuhr die Schülergruppe zusammen mit den Begleitlehrkräften nach Lancut, der Zwillingsstadt von Landshut. Hier konnten die Schüler das prächtige Schlossmuseum mit historischen Wohnräumen aus dem 17. Jahrhundert bis zu den 1920er Jahren und die größte Sammlung historischer Pferdekutschen Polens erkunden. Auf dem Rückweg wurde im Naturschutzgebiet „Weberinnen" ein kurzer Stop eingelegt.

 

Der letzte Programmtag begann mit einer deutschen Unterrichtsstunde von Frau Streit und Herrn Unterpaintner über deutsches Essen, an der sowohl die polnischen als auch die deutschen Schüler teilnahmen. Im Anschluss erreichten die Schüler nach einem kurzen Fußmarsch das nahegelegene Museum der Namenpatronin der Austauschschule, die berühmte Dichterin Maria Konopnickiej. In einer Führung wurden die Schüler über ihr Leben und Werk informiert. Anschließend ging es per Bus in den Magura-Nationalpark (Folusz). Dort wanderte die Gruppe zu dem Naturmonument "Diabli Kamien" (Teufelsstein). Nach dieser Wanderung hatten die Schüler Gelegenheit in einem See Forellen zu angeln. Mit einem gemeinsamen Fischessen endete der letzte Programmtag. Den letzten Abend verbrachten die Mallersdorfer Gymnasiasten in den Gastfamilien oder gemeinsam mit ihren Austauschpartnern.

 

Mit Abschiedsschmerz ging es am Samstagvormittag schließlich wieder per Bus zum Krakauer Flughafen, wo beim Abschied zum Teil auch Tränen flossen. Am Abend landeten die Gymnasiasten wieder sicher in München, wo sie von ihren Eltern bereits ungeduldig erwartet wurden. Hier ging eine sehr schöne und erlebnisreiche Woche zu Ende, in der die Schüler die polnische Kultur und die große Gastfreundschaft dieses Volkes kennen lernen durften.

 

StRin E. Streit