Burkhart-Gymnasium
Mallersdorf-Pfaffenberg
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Unter der Leitung von Professore Ugo Gianni Sandini und Professore Paolo Bamfi kamen am vorletzten Wochenende 22 Schüler des Liceo Brocchi (Bassano del Grappa) in den niederbayerischen Marktflecken, um ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen und durch die Gastgeber und Lehrer Land, Leute und die weiß-blaue Lebensart kennen zu lernen. Die Löwen der Serenissima fühlten sich bei den bayerischen sofort wie zu Hause. Die Austauschleiter OStR Karl Geisenfelder und StRin Sabine Dallmaier hatten in Zusammenarbeit mit Direktor Claus Gigl und einer Reihe weiterer Kollegen ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das den Venetern offensichtlich sehr gut gefiel.
Nachdem die Schüler das Wochenende in ihren Gastfamilien verbracht hatten, wurden sie am Montag von StD Gigl in der Mensa begrüßt. In seiner Ansprache wies der Schulleiter darauf hin, welch großen Wert jeder Schüleraustausch für das Gelingen eines lebendigen, geeinten Europas habe, wünschte den Schülern einen erlebnis- und lehrreichen Aufenthalt und überreichte den beiden Kollegen jeweils ein typisch bayerisches Erinnerungsgeschenk. Nach zwei Stunden Deutschunterricht bei OStR Albert Vetter und StRin Cornelia Landesberger stellte OStR Fritz Härtinger den Bassanesen das bayerische Schulsystem vor und informierte sie darüber, welche Möglichkeiten am Burkhart-Gymnasium realisiert werden können. Unter der Leitung von OStRin Norma Gerl wurden schließlich in einem Volleyball-Länderspiel die Kräfte gemessen. Den Nachmittag verbrachten die Gäste in den Gastfamilien.

Der Dienstag begann für die katholischen Italiener mit einer Stunde in evangelischer Religionslehre bei Pfarrer Ulrich Fritsch. Anschließend ging man ins Rathaus nach Pfaffenberg. Bürgermeister Karl Wellenhofer betonte im Rahmen einer Power-Point-Präsentation die engen Verflechtungen der Gemeinde und des Burkhart-Gymnasiums mit Italien aufgrund der Städtepartnerschaft mit Paderno del Grappa, das sich vom Schulort der Veneter ja nur 10 km entfernt befindet. Bei dieser Gelegenheit dankte er OStR Geisenfelder nochmals für seine Tätigkeit als Übersetzer anlässlich der Verleihung der Ehrenfahne des Europarates. Anschließend marschierte die Gruppe zur Brauerei Stöttner, wo sie Andreas Stöttner, der Chef des Hauses, herzlich in Empfang nahm. Detailliert erklärt er die Herstellung des Gerstensaftes. Auf die Theorie folgte gleichsam die Praxis, denn es wurden Brauhaus, Lagerkeller und Abfüllanlage in Augenschein genommen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Schulmensa zog man weiter zur Mallersdorfer Pfarr- und Klosterkirche. OStR Geisenfelder erklärte dort ausgehend vom Gotteshaus die Meilensteine der bayerischen Kirchen- und Kunstgeschichte wie den Dreißigjährigen Krieg, die Säkularisation von 1803 und die Entstehung sozial-caritativer Orden und Kongregationen im 19. Jahrhundert wie z. B. die Mallersdorfer Schwestern.

Am folgenden Tag erteilte Direktor Gigl den Gästen zunächst eine Stunde Deutschunterricht. Anschließend fuhren die venetischen Gäste in Begleitung von OStR Karl Geisenfelder und StRin Sabine Dallmaier nach Straubing. Dort war man bei Alfred Reisinger zu Gast, dem Landrat von Straubing-Bogen. Die beiden Schulleiter des Burkhart-Gymnasiums waren ebenfalls anwesend. Nach der äußerst informativen Power-Point-Präsentation über den Freistaat und den Landkreis durch Frau Karin Wutzelhofer brachte der Politiker seine Freude über die gut funktionierende Schulpartnerschaft zwischen dem Burkhart-Gymnasium und dem Liceo Brocchi zum Ausdruck und betonte, dass „Europa" eine abstrakte Idee bleiben würde ohne die gegenseitigen Besuche der Menschen und Austauschprogramme der Schulen. Vom Landratsamt aus fuhr man ins Stadtzentrum. In St. Jakob erklärte OStR Geisenfelder den italienischen Gästen nicht nur die Kirche, sondern auch die bewegte Geschichte der Stadt und die Zuhörer staunten nicht schlecht, als sie hörten, dass von 1347 bis 1433 ein Teilherzogtum „Bassa Baviera Straubing-Paesi Bassi" bestand. Die Niederbayern waren also schon im Mittelalter Kosmopoliten. Anschließend fuhr man weiter zur Walhalla nach Donaustauf. Dort bekamen die Schüler den Auftrag von zehn berühmten Persönlichkeiten die Büste zu finden und dann den Beruf bzw. die Berufung abzulesen, die sie würdig machte, in den Ruhmestempel aufgenommen zu werden.
Am Donnerstag fuhren die Gäste in Begleitung von OStR Geisenfelder und StRin Sabine Dallmaier nach Regensburg. Keine der wichtigen Sehenswürdigkeiten wurde ausgelassen: Der Dom, die Steinerne Brücke, der Neupfarrplatz, die Gesandtenstraße, St. Jakob mit dem einzigartigen Portal, das zu Vergleichen mit Umberto Ecos berühmten Roman „Der Name der Rose" Anlass gab, die Wurstkuchl und schließlich St. Emmeram mit der Krypta des Heiligen. Nach der Rückkehr traf man sich in Mensa des Burkhart-Gymnasiums zu einem bayerischen Abend, zu dem neben den Schülern und Gasteltern auch eine Reihe von Lehrern und der Vorsitzende des Freundeskreises Dr. Raimund Barth erschienen waren. Für die musikalische Unterhaltung sorgten die Burkhartler unter Leitung von Sebastian Ottowitz. Nachdem Stellvertretender Direktor Albert Vetter in gekonnter Manier das Fass angezapft hatte, gab es eine zünftige Brotzeit. Schließlich maß man die Kräfte in einem Masskrugstemm- und Holzsägewettbewerb. Angefeuert durch den zackigen Rhythmus der „Inno di Mameli" bewiesen die Bassanesen, dass die Niederbayern das „Iaxenschmalz" nicht gepachtet haben und manch wackerer Bajuware musste neidlos dem Sieger gratulieren.
Der letzte Tags führte in die Landeshauptstadt. Nach der Ankunft ging man ins Deutsche Museum. Dort bekamen die Bassanesen im Rahmen der Besichtigung der Schiffesammlung von OStR Geisenfelder ein bisschen Nachhilfe in Sachen Gondelbau. Ursprünglich nur als Gegengewicht zum Gondoliere, heute auch als Schmuck und Symbol für die Stadt Venedig trägt der Bug des leichten Fahrzeuges am oberen Ende einen Beschlag aus Metall, den ferro, der oben in einer Art Horn in der Form der Fischermütze endet, welche die Dogen in ihrer Staatstracht als Kopfbedeckung trugen. Darunter springen sechs Zacken hervor. Diese symbolisieren die sechs „Sestieri" von Venedig: San Marco, Dorsoduro, San Polo, Cannaregio, Castello und Santa Croce. Der nach hinten gerichtete Zacken soll für die Giudecca stehen. Nach dem Mittagessen in einem typischen bayerischen Lokal wurde das Stadtzentrum mit dem Rathaus, dem Viktualienmarkt, dem Alten Peter usw. erkundet. Nachmittags galt das Hauptaugenmerk zunächst der Jesuitenkirche „St. Michael" mit seiner Krypta, in der der Märchenkönig Ludwig II. seine letzte Ruhe fand. Seine Schlösser sind natürlich auch in Italien jedem ein Begriff und mit einer schier unendlichen Geduld folgten die Gäste den Ausführungen zum tragischen Schicksal des Monarchen. Völlig überrascht waren sie aber, als sie OStR Geisenfelder auf den Sarkophag von Eugène Beauharnais aufmerksam machte, der im Mai des Jahres 1809 im Auftrag seines Stiefvaters Napoleon ihre Heimatstadt Bassano beschießen und erobern ließ. Am „Stacchus" hieß es leider nicht mehr um-, sondern einsteigen und nach Hause fahren.
Der Samstag war der Tag des Abschieds. Das Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn" hat jedoch am Burkhart-Gymnasium noch nie gegolten. Manche Schülerinnen und Schüler haben schon bis zu dreimal am Austausch mit dem Liceo Brocchi in Bassano del Grappa teilgenommen. Und so soll es auch bleiben.
OStR Karl Geisenfelder