Schüleraustausch - Immer mal 'was Neues

Schüleraustausch geprägt vom Thema "Wasser"

 

Unter der Leitung von Professoressa Laura Fantin und Professore Francesco Mezzalira kamen Ende November 27 Schüler des Liceo Brocchi aus Bassano del Grappa in den niederbayerischen Marktflecken, um ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. Darüber hinaus wurde die Studienreise auf Wunsch der Gäste dazu genutzt, das Thema "Wasser" bilingual in allen Schattierungen kennen zu lernen. Die Austauschleiter OStR Karl Geisenfelder und StRin Sabine Dallmaier hatten in Zusammenarbeit mit Direktor Claus Gigl und einer Reihe weiterer Kollegen ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das den Bassanesen offensichtlich sehr gut gefiel.

Nachdem die Schüler das Wochenende in ihren Gastfamilien verbracht hatten, wurden sie am Montag von StD Gigl in der Mensa begrüßt. In seiner Ansprache wies der Schulleiter darauf hin, welch großen Wert jeder Schüleraustausch für das Gelingen eines lebendigen, geeinten Europas habe, wünschte den Schülern einen erlebnis- und lehrreichen Aufenthalt und überreichte den beiden Kollegen jeweils ein Erinnerungsgeschenk. Anschließend fuhr man in Begleitung von OStR Geisenfelder in die Gäubodenmetropole. Dort war man bei Alfred Reisinger, dem Landrat von Straubing-Bogen, zu Gast. Nach der äußerst informativen Power-Point-Präsentation über den Freistaat und den Landkreis durch Frau Gebhardt betonte der Hausherr in seinen Ausführungen die Bedeutung von Schüleraustauschprogrammen für den Europagedanken. Die Verträge der Politiker blieben aber seelenlose Texte, so Landrat Reisinger, wenn die Jugend sie nicht mit Leben erfüllen würde. Vom Landratsamt aus fuhr man ins Stadtzentrum. In St. Jakob erklärte OStR Geisenfelder den italienischen Gästen nicht nur die Kirche, sondern auch die bewegte Geschichte der Stadt und die Zuhörer staunten nicht schlecht, als sie hörten, dass von 1347 bis 1433 ein Teilherzogtum „Bassa Baviera Straubing-Paesi Bassi" bestand. Die Niederbayern waren also schon im Mittelalter Kosmopoliten. Um dem Thema "Wasser" gerecht zu werden, fuhr man schließlich weiter zur Rhein-Main-Donau-Kanal-Schleuse in Kagers. Die interessanten Erklärungen des Schleusenwarts wurden bald veranschaulicht, durch Lastschiffe die Donau abwärts fahren wollten.

Der Dienstagvormittag stand ganz im Zeichen der Schule: Zwei Stunden Deutsch bei den Direktoren Gigl und Vetter, die Vielfältigkeit der protestantischen Kirchen bei Pfarrer Fritsch und trilingualer Englischunterricht bei StRin Dallmaier. Dem Thema „Wasser" trug OStR Geisenfelder Rechnung, indem er die „Flößerei auf Bayerns Flüssen" kurzerhand ins Italienische triften ließ. Nach Unterrichtsschluss fuhr man dann nach Weltenburg. Trotz der bitteren Kälte lauschten die Veneter gespannt, als sie erfuhren, dass das Mar Adreatico in grauer Vorzeit nicht in der Lagune von Venedig endete, sondern im Altmühltal. Und die Kunst kam auch nicht zu kurz, denn vor der Rückfahrt nach Mallersdorf wurde noch die weltberühmte Asamkirche besichtigt und ein bisschen bayerische Kunstgeschichte betrieben.

 

Am Mittwoch stellte StD Fritz Härtinger den Italienern in bewährter Manier das bayerische Schulsystem und die vielfältigen Möglichkeiten, die es in sich birgt, vor. Dann erklangen die Inno di Mameli und das Deutschlandlied. Unter der Leitung von OStRin Margarete Probst-Biendl wurden nämlich die Kräfte in einem Volleyball-Länderspiel gemessen. Auf Wunsch der Niederbayern wurde das Ergebnis zur Geheimsache erklärt. Anschließend ging man ins Rathaus nach Pfaffenberg. Bürgermeister Karl Wellenhofer betonte im Rahmen einer Power-Point-Präsentation die engen Verflechtungen der Gemeinde und des Burkhart-Gymnasiums mit Italien aufgrund der Städtepartnerschaft mit Paderno del Grappa, das sich vom Schulort der Veneter ja nur 10 km entfernt befindet. Durch die betonte Berücksichtigung der entsprechenden kommunalen Einrichtungen wurde auch dem Thema „Wasser" Aufmerksamkeit geschenkt. Dann marschierte die Gruppe zur Brauerei Stöttner, wo sie Andreas Stöttner, der Chef des Hauses, herzlich in Empfang nahm. Detailliert erklärt er die Herstellung des Gerstensaftes. Fragen zur Produktion von Weizen- und dunklem Bier wurden gestellt und der Hausherr hatte nicht nur auf alles eine kompetente Antwort, sondern auch das entsprechende Anschauungsmaterial zur Hand. Auf die Theorie folgte gleichsam die Praxis, denn es wurden Brauhaus, Lagerkeller und Abfüllanlage in Augenschein genommen. Schließlich zog man weiter zur Mallersdorfer Pfarr- und Klosterkirche. OStR Geisenfelder erklärte dort ausgehend vom Gotteshaus die Meilensteine der bayerischen Kirchen- und Kunstgeschichte wie den Dreißigjährigen Krieg, die Säkularisation von 1803 und die Entstehung sozial-caritativer Orden und Kongregationen im 19. Jahrhundert wie z. B. die Mallersdorfer Schwestern.

 

Am Donnerstag fuhren die Gäste in Begleitung von OStR Geisenfelder und StRin Sabine Dallmaier nach Regensburg. Vor dem Hintergrund des Themas "Wasser" galt der Steinernen Brücke natürlich die größte Aufmerksamkeit. „Pedaggio" und die Unabhängigkeit des Bischofs vom bayerischen Herzog waren die Motive zu deren Errichtung. Weitere Stationen waren die Porta Prätoria, der Dom mit dem Grab von Domprediger Johann Maier, der Neupfarrplatz und das Standbild von Juan d'Austria, dem Sieger von Lepanto, rundeten den Giro ab. Dank der Kontakte von OStR Geisenfelder zur Universität Regensburg nahmen die Gäste am Seminar „Varietäten des Italienischen" als authentische Gewährsleute für italienische Jugendsprache teil. Prof. Dr. Maria Selig und ihre Studenten waren begeistert von dieser nicht alltäglichen Erfahrung und einer Vielzahl von Neologismen, die nicht im Wörterbuch zu finden sind. Nach der Rückkehr traf man sich in der Mensa des Burkhart-Gymnasiums zu einem bayerischen Abend, zu dem neben den Schülern und Gasteltern auch eine Reihe von Kollegen und ehemalige Austauschteilnehmer erschienen waren. Die Aufgaben wurden gerecht verteilt: OStRin Probst-Biendl sprach die Begrüßungsworte, stellvertretender Direktor Vetter zapfte an und Schulleiter Gigl stemmte den Masskrug. OStR Geisenfelder erinnerte bei dieser Gelegenheit daran, dass das Burkhart-Gymnasium nunmehr seit 25 Jahren einen Schüleraustausch mit Italien unterhält; die Kontakte zum „Brocchi" wurde vor fünf Jahren aufgenommen. Die Abiturientinnen Hanna Heinrich und Judith Stigler, beide dreimal mit von der Partie, hatten eigens eine Power-Point-Präsentation zusammengestellt in der sie die Fahrten der ersten drei Jahre Revue passieren ließen. Dabei dankten sie nicht nur den Verantwortlichen der beiden Schulen, sondern auch der ehemaligen Elternbeiratsvorsitzenden, Frau Angelika Weber, die die Gruppe dreimal nach Bassano begleitete, herzlich für ihr Engagement. Für die musikalische Unterhaltung sorgten die „Burkhartler" unter Leitung von Sebastian Ottowitz. Nachdem Stellvertretender Direktor Albert Vetter in gekonnter Manier das Fass angezapft hatte, gab es eine zünftige Brotzeit. Schließlich maß man die Kräfte in einem Masskrugstemm- und Holzsägewettbewerb. Obwohl Professore Francesco Mezzalira das Wort „Iaxenschmalz" nicht kennt, versteht er es in der Praxis eindrucksvoll anzuwenden.

 

Der letzte Tag führte in die Landeshauptstadt München. Nach der Ankunft ging man ins Deutsche Museum. Dort bekamen die Bassanesen im Rahmen der Besichtigung der Schiffesammlung von OStR Geisenfelder ein bisschen Nachhilfe in Sachen Gondelbau. Ursprünglich nur als Gegengewicht zum Gondoliere, heute auch als Schmuck und Symbol für die Stadt Venedig trägt der Bug des leichten Fahrzeuges am oberen Ende einen Beschlag aus Metall, den „ferro", der oben in einer Art Horn in der Form der Fischermütze endet, welche die Dogen in ihrer Staatstracht als Kopfbedeckung trugen. Darunter springen sechs Zacken hervor. Diese symbolisieren die sechs „Sestieri" von Venedig: San Marco, Dorsoduro, San Polo, Cannaregio, Castello und Santa Croce. Der nach hinten gerichtete Zacken soll für die Giudecca stehen. Ferner wurden der Brückenbau und die Energiegewinnung durch Wasser näher unter die Lupe genommen. Nach der Isartorbrücke und dem Mittagessen in einem typischen bayerischen Lokal erkundete man das Stadtzentrum mit dem Rathaus und dem Viktualienmarkt und seinen Brunnen und den Christkindlmarkt. Den Abschluss des Tages bildete die Feldherrenhalle und ihre bewegte Geschichte.

 

Am Samstag hieß es leider Abschiednehmen. Das Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn" hat aber am Burkhart-Gymnasium noch nie gegolten. Manche Schülerinnen und Schüler haben schon bis zu dreimal am Austausch mit dem Liceo Brocchi in Bassano del Grappa teilgenommen. Und so soll es auch bleiben.

 

OStR Karl Geisenfelder