Schüleraustausch „Liceo Brocchi", Bassano del Grappa

Ein altes italienisches Sprichwort sagt „Das Wasser läuft zum Meer". Diese Verwobenheit des Süß- und des Salzwassers wird wohl an keinem anderen Ort der Erde so eindrucksvoll vor Augen geführt wie im Veneto, wo nicht weniger als fünf Flüsse in die Adria fließen. Mit derselben Naturgesetzlichkeit lief den 24 Schülerinnen und Schülern des Burkhart-Gymnasiums das Wasser im Munde zusammen, die Mitte Februar in Begleitung ihrer Lehrer OStR Karl Geisenfelder und StRin Sabine Dallmaier nach Bassano del Grappa reisten und sich nicht nur auf ein Wiedersehen mit den italienischen Freunden, sondern auch auf die Kultur und die Raffinessen der venetischen Küche freuten. Dort hatten Professoressa Laura Fantin und Professore Francesco Mezzalira ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das wie schon im November in Mallersdorf-Pfaffenberg vom Thema „Wasser" geprägt war.

Nach dem Wochenende in den Gastfamilien stellte Professore Mezzalira mit Hilfe einer wohl durchdachten Power-Point-Präsentation den Gästen die Lagune von Venedig vor. Dabei standen besonders die Ursachen des ständig steigenden Meeresspiegels und der Hochwasserschutz im Vordergrund. Im Anschluss hieß die stellvertretende Direktorin Maria Grazia Maino in Vertretung von Maddalena Lazzarotto Pilati, die herzlich grüßen ließ, die Gäste am „Brocchi" willkommen. Der Vormittag schloss mit einer Power-Point-Präsentation über die Geschichte und die Organisation des 2000 Schüler zählenden Gymnasiums. Gegen Mittag wurde dem Rathaus von Bassano ein Besuch abgestattet. Die Jugendassessorin Maria Federica Finco, die Bürgermeister Bizzotto vertrat, verstand es in hervorragender Weise die bayerischen Gäste zum Diskutieren zu bewegen, indem sie die Situation der Jugendlichen in Italien mit der Situation in Deutschland vergleichen ließ. Anschließend wanderte man zum Wasserkraftwerk von San Lazzaro, wo seit 1927 mit Hilfe der Brenta Strom erzeugt wird.

 

Am Donnerstag fuhr man in Begleitung von Professoressa Fantin und Professore Alberto Ruperti, einem Architekten und Kunsthistoriker, schon in aller Frühe nach Vicenza, um dort die Werke Palladios zu bewundern. Vom Teatro Olimpico bummelte man zum Palazzo Chiericati und zur Piazza die Signori mit der Basilica und dem Dom. Nach der Mittagspause fuhr man zur Wallfahrtskirche auf dem Monte Berico. Ihre Ursprünge liegen in einer für Vicenza sehr schweren Zeit, in der die Stadt - zwischen 1425 und 1428 - von einer Pestepidemie heimgesucht wurde. In diesen Jahren erschien die Gottesmutter einer Bäuerin. Dabei bat sie, dass ihr an jenem Ort eine Kirche erbaut werde. Noch im selben Jahr wurde mit den Arbeiten begonnen und die Stadt von der Pest befreit. Vom Monte Berico aus wanderte man zur Villa Valmarana "Dei Nani". Diese wurde zwischen 1665 und 1669 erbaut. Die Fresken in der Palazzina, dem Herrenhaus, schuf 1757 Gian Battista Tiepolo, unterstützt von seinem Sohn Giandomenico. Der Villa Valmarana gegenüber liegt die Villa Almerico Capra "La Rotonda", die jedoch der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Die „Rotonda," die zwischen 1566 und 70 entstand, zählt zu den berühmtesten Villen Palladios. Von allen vier Portiken, die auch von der Straße aus gut zu erkennen sind, führen Korridore in eine zentrale, kreisförmige Sala. Vollendet wurde der Bau durch Vicenzo Scamozzi, jedoch nicht mit einer Kuppel, wie es Palladio vorgesehen hatte, sondern mit einem Kegeldach. Für die deutsche Literurgeschichte ist Vicenza von größter Bedeutung, denn Johann Wolfgang von Goethe mutierte beim Anblick von Palladios Bauten vom Stürmer und Dränger zum Klassizisten.

 

Am Freitag fragte zunächst Professore Ruperti das am Tag vorher erworbene Wissen ab. Dann begeisterte Professoressa Fantin die Schüler mit der Hymne der italienischen Gebirgsjäger „Sul Ponte di Bassano" und den Hits „Vorrei" und „50 Special" der Popgruppe „Lunapop". Die Lieder wurden gehört, übersetzt und gemeinsam gesungen. Anschließend fuhr man zu den Grotten von Oliero. Die im Tal der Brenta entspringenden Quellen des Oliero kommen aus dem Karstmassiv der zimbrisch sprechenden „Sette Comuni" und sind die mächtigsten Karstquellen Europas. Die Lufttemperatur beträgt im Höhleninnern, das man mit einem Boot befahren kann, 12°C, die Wassertemperatur fast 9°C. Diese Werte bleiben das ganze Jahr über konstant. Nach dem freien Nachmittag fand ein Kleinfußballturnier statt. Zwar wurden vor dem Spiel die Hymnen der beiden Länder gespielt, doch waren die beiden Mannschaften international aufgestellt, sodass italienischer Spielwitz und deutscher Mannschaftssinn zwei Dream Teams formten. Anschließend verbrachte man den letzten Abend in der Pizzeria „Cuba libre", wo nach dem Essen in der Diskothek zu heißen Rhythmen kräftig das Tanzbein geschwungen wurde.

 

Am Samstag nahmen dann die Schüler, die in Gruppen aufgeteilt wurden, am Deutsch-, Englisch-, Informatik- und Biologieunterricht teil. Ein letzter Gang ins Zentrum von Bassano eröffnete auf dem Wochenmarkt nochmals die Möglichkeit zum Shoppen. Schließlich hieß es Abschied nehmen. In Bassano floss nicht mehr nur die Brenta; auch die Tränen der Gäste wie der Gastgeber quollen jetzt aus den Augen hervor. Doch 530 km sind kein wirkliches Hindernis für ein baldiges Wiedersehen.

 

                                                                                                                                              OStR K. Geisenfelder