20 Jahre Schüleraustausch

Festakt zum zwanzigjährigen Bestehen der Schulpartnerschaft

mit dem Lycee Saint Michel de Picpus Paris

 

am Sonntag, 1. Juni 2003

Zahlreiche Gäste fanden sich am Sonntagvormittag in der Aula des Burkhart-Gymnasiums ein, um mit einem Festakt und anschließendem Weißwurstfrühstück 20 Jahre deutsch-französischen Schüleraustausch zu feiern. Neben Schulleiter Oberstudiendirektor Martin Hobmeier und Landrat Alfred Reisinger, würdigte auch der Direktor der französischen Partnerschule, Pascal Balmand, die gute Zusammenarbeit zwischen Mallersdorf-Pfaffenberg und Paris.

Frankreich und Deutschland verbindet eine lange gemeinsame Geschichte, die jedoch über einen großen Zeitraum vor allem von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt war. Vor 40 Jahren wurde schließlich der deutsch-französische Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Doch ein von Staatsmännern ausgehandelter Vertrag verbindet noch nicht zwei Völker. Eine wirkliche freundschaftliche Verbindung muss auf der persönlichen Ebene erfolgen; ein wichtiger Beitrag wird dabei durch Schulpartnerschaften geleistet, denn nur der rege Kontakt ermöglicht eine Erziehung der Schüler im europäischen Geist und zu gegenseitigem Verständnis. Aus diesem Grund zeigte sich Schulleiter OStD Martin Hobmeier sehr erfreut, dass nun schon auf 20 Jahre deutsch-französischen Schülerautausch zurückgeblickt werden könne. Auch der französischen Seite ist das Austauschprogramm ein großes Anliegen. Zur Zwanzigjahrfeier reiste eine hochrangige Delegation aus Paris an. Der ehemalige Direktor des Lycees und Mitbegründer der Partnerschaft Jacques Guerif, der derzeitige Schulleiter Pascal Balmand, Marie Jose Diwo und Marie-Dominique Garin, zwei große Förderinnen des Schüleraustausches, waren mit der französischen Schülergruppe unter Begleitung von Odile Esnault nach Niederbayern gekommen.

Die Schulpartnerschaft wurde von OStD a.D. Dr. Rudolf Enghofer 1983 ins Leben gerufen und von OStD Dr. Friedrich Heglmeier fortgeführt, die beide ebenfalls am Sonntag nach Mallersdorf gekommen waren. OStD Hobmeier betonte, dass es nun auch Ziel der jetzigen Schulleitung sei, die Partnerschaft intensiv zu fördern und zu erweitern. Dies gelte natürlich in besonderer Weise für die Partnerschaft mit Paris, aber auch für die weiteren internationalen Kontakte des Burkhart-Gymnasiums mit Polen, Italien und den USA. In diesem Zusammenhang begrüßte er auch die polnischen Gastschüler, die sich in dieser Woche ebenfalls in Mallersdorf-Pfaffenberg aufhalten und so die Gelegenheit hatten, am Festakt teilzunehmen.

Auch Landrat Alfred Reisinger und der II. Bürgermeister von Mallersdorf-Pfaffenberg Hans Trepesch hoben in ihren Grußworten hervor, dass es besonders wichtig sei, dass eine Schulpartnerschaft gelebt werde und nicht nur auf dem Papier stehe. Verständnis füreinander könne nur beim gegenseitigen Austausch entstehen, die beste Gelegenheit biete sich, wenn junge Leute sich zusammenfänden und über gemeinsame Anliegen sprächen. Landrat a. D. Ingo Weiß betonte außerdem, dass ein Besuch von Jugendlichen aus einem anderen Land auch für die Familien sehr gewinnbringend sei. „Angst" müsse man nicht haben, denn zur Not könnte die sprachliche Verständigung auch mit Händen und Füßen erfolgen.

Von den ersten Tagen der Partnerschaft mit Frankreich konnte der ehemalige Schulleiter des Burkhart-Gymnasiums OStD a. D. Dr. Rudolf Enghofer berichten. Er erinnerte sich noch sehr lebendig an den ersten Besuch in Paris, als er zu Verhandlungsgesprächen gefahren sei. Man habe damals in Konkurrenz zu einem Berliner Gymnasium gestanden, doch sei es ein sehr weiser Entschluss des damaligen Direktors des Lycee Saint Michel de Picpus Jacques Guerif gewesen, sowohl Mallersdorf-Pfaffenberg als auch Berlin eine Chance zu geben und mit beiden Gymnasien eine Schulpartnerschaft zu begründen. Die folgenden Jahre seien dann vom Mut zur Innovation gekennzeichnet gewesen; ermöglicht habe dies alles die Einsatzbereitschaft und der Idealismus der betreuenden Lehrkräfte. So aber sei eine lebendige Partnerschaft entstanden, die Brücken gebaut habe zwischen Deutschland und Frankreich. Dr. Enghofer betonte, dass er mit Freude über die schönen bleibenden Erinnerungen aus den vergangenen zwanzig Jahren erfüllt sei und denke, dass dies eine große Ermutigung für eine gute Zukunft der Partnerschaft sei.

  Diesen Punkt betonte auch Pascal Balmand, Direktor der französischen Partnerschule. Natürlich habe sich in den letzten zwanzig Jahren die Welt verändert, aber es sei gut, dass man diese Veränderungen zusammen erlebt habe. Es sei eine „Pflicht", den Austausch fortzusetzen. Monsieur Balmand führte drei Gründe an: Einmal gebiete die Treue zur gemeinsamen Geschichte und zu sich selbst eine Fortsetzung des Programms. Außerdem sei die Partnerschaft sehr fruchtbar für die Jugendlichen, die natürlich in erster Linie den Austausch trügen. Neben dem Fortschritt in der Fremdsprache, böten sich stärkere, tiefere Erlebnisse, die sie reifer machten und dauerhaft prägten. Schließlich müsse man auch an Europa glauben. Es müsse eine emotionale Bindung entstehen, ein Europa der erlebten Beziehungen. Deshalb müsse der deutsch-französische Austausch aufrecht erhalten werden, das andere Land soll einen Platz im Herzen des jeweils anderen finden.

 

An diesen offiziellen Teil der Veranstaltung, der mit Beethovens „Ode an die Freude", gespielt von einem Bläserduo unter der Leitung von OStR Roland Diegritz, abgerundet wurde, schloss sich ein gemütliches Beisammensein an. Französische und deutsche Schüler und die Gasteltern fanden schnell zusammen. Schülerinnen und Schüler des Service-Teams der SMV, unter der Leitung von StRin Dorothea Stephan und StR Stefan Ramsauer, boten Weißwürste, Brezen und Getränke, gespendet vom Elternbeirat bzw. Freundeskreis, und von den Eltern gebackene Kuchen an. Bei herrlichem Sonnenschein ließ man so den Sonntagvormittag ausklingen. Alle waren sich sicher, dass diese Festveranstaltung einen schönen Auftakt für das sich in dieser Woche anschließende Austauschprogramm, organisiert von StRin Claire Glöckel und OStR Herbert Aumer, mit Ausflügen nach Straubing, Landshut und auch zum Starnberger See und nach München, bildete.

                                                                                                                                                    StRin R. Krawczak