Burkhart-Gymnasium
Mallersdorf-Pfaffenberg
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Am Freitag, 22. Juli 2011 war die Autorin Dr. Lotte Kinskofer bei uns in der Klasse 5d zu Besuch. Wir hatten vorher im Unterricht ihr neuestes Jugendbuch „Aufgeflogen" gelesen. Sie hat auch andere Kinder- und Jugendbücher („Schwarzer Schnee", „Der Klavierling") geschrieben, aber auch Kriminalromane für Erwachsene, die alle in und um Regensburg spielen („Heimvorteil", „Grabenkämpfe", „Wirtshaussterben"). Ihren Lebensunterhalt verdient sie jedoch, wie sie uns erzählte, mit dem Schreiben von Drehbüchern fürs Fernsehen, zum Beispiel für die deutsche Telenovelas „Sturm der Liebe" oder „Die Fallers".
Frau Kinskofer stellte sich uns zunächst kurz vor. Anschließend hatten wir die Möglichkeit, ihr Fragen zu stellen. Sie beantwortete alles, was wir wissen wollten, geduldig und sehr genau. So erfuhren wir zum Beispiel, dass sie pro verkauftem Buch nur 50 Cent bekommt, oder dass sie oft zu den Schauplätzen, an denen ein neues Buch spielt, fährt und dort viele Fotos macht, um sich zu Hause die Situationen, die sie beschreiben möchte, besser vorstellen zu können.
Sie erklärte uns auch im Detail, wie das Schreiben eines Buches funktioniert. Zu Beginn muss man die Idee zu einer Geschichte im Kopf entwickeln, dann reicht man das Exposé beim Verlag ein. Die Lektoren dort überprüfen, ob die Geschichte auf dem Buchmarkt genügend Käufer finden kann, und regen z.B. Veränderungen bei den Schauplätzen oder hinsichtlich der Erzählperspektive und Erzähltechnik an. Anschließend recherchiert man über einzelne wichtige Aspekte des Buches, bei unserer Lektüre „Aufgeflogen" etwa über illegal in Deutschland lebende Ausländer oder über den kulturellen Hintergrund der beiden weiblichen Hautfiguren des Romans, die aus Kolumbien stammen. Der fertige Text wird vom Verlag noch einmal überarbeitet und zum Teil auch gekürzt, bevor das Buch gedruckt wird.
Zum Schluss bekamen wir noch Autogramme.
Wir fanden es sehr interessant, einmal mit einer richtigen Autorin zu sprechen.
(Der Text ist eine Gemeinschaftsproduktion der Mädchen der 5d)

Mirjam Pressler liest am Burkhart-Gymnasium aus dem Buch "Nathan und seine Kinder".
„Das Leben ist ein Schachspiel,
die Menschen sind nichts anderes als Figuren, die von einer höheren Macht hin und her geschoben werden."
Die renommierte Kinder- und Jugendbuchautorin Mirjam Pressler, die seit einigen Jahren in Landshut lebt, stellte den 10. Klassen „Nathan und seine Kinder" vor. Eingangs erzählte sie, dass die Aussagen ihrer eigenen Töchter, die in der Schule „Nathan den Weisen" von Lessing lesen mussten, sie auf die Idee brachten, diesen bekannten und wichtigen Stoff der Literaturgeschichte neu zu bearbeiten, um ihn jungen Menschen nahe bringen zu können. Bekanntlich geht es in der berühmten Ringparabel um die Frage, welche der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam die einzig wahre sei. Eine Frage, die heute ebenso wenig wie zu Lessings Zeiten geklärt ist und immer wieder viel Leid hervorruft, obwohl die Religion stets nur als Vorwand für wirtschaftliche- und machtpolitische Zwecke missbraucht wird. Scheinbar unüberwindbare Barrieren tun sich beispielsweise im heutigen Israel auf, wo Palästinenser und Israelis keinen Weg finden, um als Nachbarn in Frieden zu leben.
Mirjam Pressler verlegt ihre Geschichte in das Jahr 1192, die Zeit der Kreuzzüge. Jerusalem wird von Sultan Saladin mit mächtiger Hand regiert und die Kreuzritter haben ihren Anspruch auf die Heilige Stadt verloren. Nun zeigt sich der Sultan, der schon viele Ritter töten hat lassen, überraschend gnädig, in- dem er dem Tempelritter Curd von Stauffen das Leben schenkt. Dem Geretteten wird es zuteil auch selbst eine gute Tat zu vollbringen, die die Juden nicht für möglich halten. Er rettet Nathans Pflegetochter Recha aus dem brennenden Haus. Wie ein Wunder mutet dieses Geschichte an. Waren es doch ebenfalls grausame Kreuzritter gewesen, die 17 Jahre vorher Nathans Haus angezündet hatten und bei verschlossenen Türen zusahen und zuhörten, wie seine Frau und seine sieben Söhne verbrannten.
Wem fallen da nicht die brennenden Synagogen von 1938 ein? - Mirjam Pressler verweist an dieser Stelle auf die Schilderung von Überlebenden aus dem von Nationalsozialisten besetzten osteuropäischen Städten, die von brennenden Synagogen sprechen, in denen Juden eingesperrt waren. So scheint sich die Geschichte immer wieder zu wiederholen und es ist unsere Aufgabe, den Blick vor diesen Abgründen nicht zu verschließen. Andererseits dürfen wir auch nicht resignieren oder -noch schlimmer- uns in Gleichgültigkeit zurücklehnen.
Mirjam Pressler geht es um die Verwirklichung des Traums vom Sieg der Vernunft über den religiösen Fanatismus. Sie sagt: „ Im Traum halten Engel dem Menschen einen Spiegel vor, sie zeigen ihm, was er sich wünscht oder was ihm die Zukunft bringen wird."
Vielleicht lässt sich der Traum ja doch verwirklichen.
Claudia Kellnhofer